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FilmReview zu FREAKS - DU BIST EINE VON UNS

Björn Stotko • 8. September 2020

Netflix-Start: 02.09.2020

 Von Electro-Man und Walküre – eine Heldenreise

Seit vielen Jahren kurbeln Superheldenfilme unsere Fantasie und Träume an. Wäre es nicht wunderbar, eines Tages aufzuwachen und festzustellen, dass man Superkräfte besitzt? Wäre es nicht toll, unverwundbar, superstark oder unsichtbar zu sein? Und was würden wir damit anstellen? Würden wir Gutes tun und anderen helfen oder könnten wir der Versuchung nicht widerstehen und unsere besonderen Fähigkeiten nur zu unserem eigenen Vorteil nutzen?

Mit diesen und anderen Fragen beschäftigt sich FREAKS – DU BIST EINE VON UNS, die neueste Netflix-Eigenproduktion aus Deutschland. Ob diese sich lohnt und wie sie sich im Vergleich zum Marvel Cinematic Universe, dem offensichtlichen Vorbild, schlägt, kläre ich im folgenden Review.


Wendy (Cornelia Gröschel) hat kein einfaches Leben. Tagtäglich schleppt sie sich zu ihrem frustrierenden, schlecht bezahlten Job in einem Imbiss, ihre angestrebte Beförderung wird fortwährend von ihrer herrischen Chefin abgelehnt, die Rechnungen stapeln sich, ihr kleiner Sohn wird von Mitschülern gemobbt. Immerhin kann sie sich noch auf ihren Ehemann Lars (Frederic Linkemann) verlassen.

Als nach einem besonders schlimmen Abend der Obdachlose Marek (Wotan Wilke Möhring) ihren Weg kreuzt und kurz darauf von einer Autobahnbrücke springt, ohne Verletzungen davonzutragen, nimmt Wendys eine plötzliche Wende. Sie setzt die Medikamente ab, die sie seit ihrer Kindheit nehmen muss und erlangt daraufhin ihre bis hierhin unterdrückten, doch schon immer vorhandenen Superkräfte. Wie wird sie damit umgehen? Wie reagiert ihre Familie auf die drastische Veränderung? Und warum wurde ihr ihr wahres Ich in ihrer Kindheit genommen?

In FREAKS – DU BIST EINE VON UNS gibt es im Prinzip nichts Neues zu entdecken. Das Drehbuch erzählt die typische und schon oftmals gesehene „From Zero to Hero“-Geschichte mehrerer gesellschaftlicher Verlierer, die ihre Stärken entdecken und zu Gewinnern werden. Dementsprechend gestalten sich die gesamte Story sowie die einzelnen Rollen recht vorhersehbar und wenig innovativ. Wotan Wilke Möhring (DAS PERFEKTE GEHEIMNIS) spielt beispielsweise die in Heldengeschichten typische Mentorenrolle und seine wenig beleuchtete Geschichte nimmt dann auch den erwarteten Verlauf. Ebenso ergeht es der Figur Elmar, dargestellt von Tim Oliver Schulz (DER CLUB DER ROTEN BÄNDER), der hier eine hölzerne Vorstellung eines klischeehaften Antagonisten bietet. Einzig Cornelia Gröschel spielt glaubhaft die von der Familie, vom Job und vom Leben überforderte Frau, die es dank der neu entdeckten Power schafft, in allen Bereichen klarzukommen.

Die Effekte, die von herumgeschleuderten Menschen bis zu aus Händen schießenden Blitzen reichen, sind für solch eine vergleichbar günstige Produktion annehmbar bis solide, reißen erfahrene Filmseher jedoch nicht vom Hocker. Den Soundtrack von FREAKS mit ein paar 80er-Jahre-Hits anzureichern war an sich eine gute Idee und macht den Film so zumindest noch ein wenig kurzweiliger. Doch auch dieser Kniff ist alles andere als frisch, ein Walkman mit nostalgisch-schmissiger Musik spielte schon in GUARDIANS OF THE GALAXY eine wichtige Rolle.

FAZIT:

 Aufmerksame Leser ahnen es schon: Selbstverständlich kommt FREAKS – DU BIST EINE VON UNS nicht an hochwertigere Produktionen der Genrekonkurrenz heran, doch das ist ganz sicher auch nicht der Anspruch der Macher gewesen. Lobenswert ist auf jeden Fall der Mut, die deutsche Filmlandschaft überhaupt einmal mit einem Superheldenfilm zu bereichern. Kleinere Genrefilme wie dieser sollten gerade in Deutschland unterstützt werden, auch unabhängig von der letztendlichen Qualität des Werkes. 

Bilder:  ©  David Dollmann / Netflix

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